ownCloud

Gestern habe ich mal ownCloud auf meinem Webserver installiert. Salopp ausgedrückt ist ownCloud ein Clouddienst ähnlich wie Dropbox oder iCloud, nur mit dem Unterschied, dass die Daten auf dem eigenen Webspace bzw. Webserver liegen. D.h. man installiert die ownCloud-Software auf dem Server und kann dann beliebig viele Clients mit dem Server verbinden und Dateien synchronisieren, anschauen, teilen, sichern usw. Eine eigene Cloud halt. Ich werde hier jetzt nicht alle Features aufzählen, denn die kann man wunderbar hier nachlesen: ownCloud Features.

Warum ownCloud eine Alternative sein kann

Mit Dropbox, Google Drive, SkyDrive, iCloud und zig anderen Clouddiensten gibt es ja mittlerweile eigentlich genügend Auswahl, wenn man auf der Suche nach einer Möglichkeit ist, seine Dateien zentral im Web zu speichern, mit anderen zu teilen oder mehrere Computer zu synchronisieren. Trotzdem finde ich die Idee, einen eigenen Clouddienst zu betreiben interessant. Gründe können sein:

  • Ich möchte meine Dateien nicht einem (ausländischen) Unternehmen anvertrauen, weil mir die Nutzungs- und Datenschutzbestimmungen nicht gefallen (oder ich sie gar nicht verstehe).
  • Die Nutzung von Clouddiensten ist mir zu unssicher. Viele Dienste bieten nur eine unzureichende Verschlüsselung bei der Übertragung und/oder der Speicherung meiner Dateien.
  • Ich habe sowieso einen eigenen Webserver (lokal oder bei einem Webhoster) mit viel Speicherplatz und möchte die Kosten für einen Clouddienst sparen.
  • Ich bin ein Nerd und bastele gern an solchen Lösungen herum. 😉

Erster Eindruck

  • Die Installation ist einfach. Eine Anleitung und die Systemanforderungen findet man hier.
  • Die Einrichtung der Mac-Clients ist auch ok. Ich bin lediglich darüber gestolpert, dass ich als Pfad auf dem Server nicht den gleichen Pfad in beiden Computern angegeben habe. Lässt sich aber nachträglich ändern.
  • Der Webclient gefällt mir. Aufgeräumt, funktionell, intuitiv bedienbar. Die zusätzlichen Features wie Kalender und Adressbuch erinnern stark an iCloud bzw. MobileMe. Hier könnt ihr euch in eine Demo einloggen.
  • Viele Dateitypen können direkt im Webclient geöffnet werden (Text-Dateien, Bilder, PDF, offene Office-Formate etc.)
  • Die Client-Synchronisation scheint mir teilweise recht langsam. Gibt es ein Upstream-Limit beim Webhoster? Teilweise dauerte es auch recht lange, bis die Synchronisation startet. Ein Neustart der App hat geholfen.
  • Der Status der Synchronisierung ist leider nicht im Finder oder der Menüleiste sichtbar. Und im extra zu öffnenden Statusfenster wird auch nur angezeigt, DASS synchronisiert wird. Aber kein Fortschritt und keine Geschwindigkeit.
  • Ich habe einen Konflikt mit einer Datei provoziert, die ich auf 2 verschiedenen Rechnern geändert habe. Die höhere Priorität hat die Datei, die zuerst auf dem Server gespeichert wurde. Für die andere wird eine Kopie mit Hinweis erstellt. Eine Warnung gibt der Client aber nicht aus.

Insgesamt finde ich die Software schon recht brauchbar. Es gibt sicher noch Einiges zu optimieren, bis man mal eine Performance erreicht, wie man sie von Dropbox oder Google Drive kennt. Aber für einfache Synchronisations- oder Backupaufgaben könnte man sie durchaus schon verwenden.

Nachteile

ownCloud hat aber auch ein paar handfeste Nachteile, die ich nicht verschweigen will. Und die wären:

  • Viele Apps bieten mittlerweile die Synchronisation von Dateien oder Einstellungen über mehrere Geräte. Aktuell setzen da aber alle nur auf Dropbox oder iCloud (z.B. Byword, 1Password, Things etc.).
  • Es gibt ein Uploadlimit im Webclient, welches von der Webserverkonfiguration abhängig ist (max_upload_size in php.ini, bei mir 8 MB). Über die Desktop-Clients können aber Dateien bis max. 2 GB übertragen werden.
  • Die Verschlüsselung der Dateien auf dem Server ist möglich, allerdings ist mir nicht ersichtlich, was für eine Verschlüsselung das ist. Die verschlüsselte Übertragung von Client zu Server ist nur via SSL möglich. Dafür ist ein kostenpflichtiges Zertifikat notwendig. Bei Installation in einer Subdomain kostet ein Domain SSL Zertifikat z.B. pro Jahr 50 € zzgl. 40 € für 1 Subdomain (bei meinem Provider Host Europe).
  • Im Gegensatz zu Clouddiensten bin ich bei ownCloud teilweise selbst für die Sicherheit von Server und Software verantwortlich. Hinzu kommt die Ungewissenheit, wie sicher die Software ist und wie schnell eventuelle Sicherheitslücken geschlossen werden.
  • Wenn man viel Speicherplatz benötigt, kann das bei gemietetem Webspace schnell teuer werden. Alternativ könnte man die ownCloud auch auf einem lokalen Server laufen lassen und via dyndns ins Netz hängen. Aber der Server kostet ja auch irgendwas (Anschaffung, Strom, Nerven).
  • Es gibt noch keine mobilen Apps. 🙁

Tipp

Wenn ihr ownCloud installiert, werdet ihr im Webclient höchstwahrschlich über diesen Bug stolpern. Ist aber schnell repariert.

Fazit

Für mich ist ownCloud aktuell auf dem eigenen Server noch zu experimentell und zu wenig performant, um damit wirklich produktiv zu arbeiten. Ich finde die Idee aber gut und werde die Entwicklung weiter verfolgen und vielleicht hier bei weiteren Updates darüber berichten.

11 Kommentare

  1. iCloud ist mit Sicherheit eine gute Sache aber was mich stört ist, dass meine Daten irgendwo unkontrolliert auf einen Serverliegt. Deshalb ziehe ich es vor meine Daten alle auf dem Heim-Nas-Laufwerk zu legen und diesen mit dem Internet zu verbinden. z.B.: über http://www.DynDns.com oder besser noch http://www.ipverbinden.de. Damit kann ich auch auf all meine Daten zugreifen ohne diese aus den Händen zu geben.

  2. Hi Matthias,

    ich benutze auch ownCloud, habe mich aber aus verschiedenen Grünen für ein Hosting bei ownCube entschieden, da hier das SSL Problem wegfällt, wie auch die Sicherheit top ist! (Durch individuelle Auswahl des Serverstandortes.)

    Besten Gruss,
    Timo

  3. Ich nutze owncloud nun schon eine ganze Weile und mittlerweile in Version 7.
    Mein (GeoTrust RapidSSL) SSL Zertifikat habe ich bei domainfactory für 24 Euro im Jahr gekauft.
    Da ich meine Cloud nicht jedes mal mit htts://blabla.dyndns.org/owncloud aufrufen wollte, habe ich mir bei selfhost eine Domain registriert. Dort kann man direkt auch kostenlos einen DynDNS Account anlegen. In die meisten Router kann man auch die Daten zu einem Account bei selfhost eingeben. Meine Domain lasse ich nun auf den DynDNS Account routen.

    Die Cloud verwende ich für meine Kalender, Kontakte, Notizen, News, Dateien, Musik und Fotos.
    Als nächstes werde ich mir noch einen Mailserver aufsetzen so dass ich auch für meine eMails keinen anderen Anbieter mehr brauche.

    Apps für Android gibt es mittlerweile zur Genüge und auch das synchronisieren vom Handy oder dem Computer zu meiner Cloud im Wohnzimmer funktioniert perfekt in beide Richtungen.

    • Ich nutze ownCloud gar nicht mehr, seit ich eine Synology DiskStation habe. Diese nutze ich auch mit eigener Domain und SSL-Zertifikat und DDNS via NO-IP. Klappt super. Nutze die DS für Cloud Sync, FTP, Musik, Fotos, Backup.

  4. SSL gibt es bei StartSSL auch gratis, https://www.startssl.com/?lang=de

    Bei den Android Apps kann ich noch FolderSync empfehlen. Hat sehr viele Synchronisationsmöglichkeiten, damit lässt sich auch das 1Password Problem umgehen.

    Meine Probleme:

    OwnCloud hat Performanceprobleme, v.a. auf Apache,

    Oft Sync-Probleme wegen E-Tag Fehler,

    • Ein Zertifikat von StartSSL nutze ich auch für meine DiskStation. Und die Probleme, die du beschreibst, waren auch ein Grund dafür, dass ich von ownCloud (installiert bei Host Europe) auf eine DiskStation gewechselt bin.

  5. DiskStation statt ownCloud? Interessant.

    Ich nutze schon seit Jahren ein DS hauptsächlich fürs Backup. Da es ownCloud inzwischen als Paket für die DS gibt, überlege ich sie für Kalender und Kontakte zu installieren. Gibt es dafür eine bessere Lösung als onwCloud für die DS?

    Bleiben noch die Mails: Wie gut ist die Mail Station, die Synology anbietet? Ist die Konfiguration wirklich inzwischen so einfach? Beherrscht sie auch GnuPG?

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